CEASM
Rio de Janeiro
Das Projekt CEASM befindet sich in der Favela Complexo da Maré, das etwa 150.000 Einwohner zählt und von rivalisierenden Drogenbanden beherrscht wird.
Am 28.10.2025 wurde hier ein Polizeieinsatz durchgeführt, bei dem 121 Menschen zu Tode kamen. Der Projektleiter Lúiz berichtet. Weiterlesen...
Der Verein CEASM (Centro de Estudos e Ações Solidárias da Maré) wurde vor etwa 25 Jahren gegründet. Sein Schwerpunkt ist die schulische Bildung. Es werden jedes Jahr etwa 70 Schülerinnen und Schüler auf ihr Vestibular (Aufnahmeprüfung für die Uni) vorbereitet. Daneben gibt es eine Theatergruppe sowie Unterricht mit besonderer Ausrichtung auf ökologische Themen für Kinder und Jugendliche.


Das Projekt wird schon seit vielen Jahren durch unsere Freunde von Ajuda unterstützt. In den letzten 15 Jahren haben etwa 1.100 Schülerinnen und Schüler die Projektschulen des CEASM besucht. 400 von ihnen haben es auf weiterführende Schulen und Universitäten geschafft. Und einige von ihnen unterrichten an Universitäten oder arbeiten in Ministerien und an anderen Institutionen.
CEASM ermöglicht jungen Menschen aus der Favela den Bildungsaufstieg, der ihnen aufgrund fehlender finanzieller Mittel bzw. ihrer Herkunft aus der Unterschicht sonst verwehrt bliebe. Viele von ihnen pflegen bis heute enge Kontakte zum Projekt und helfen, wo immer sie können.
Neben der pädagogisch-künstlerischen Arbeit hat der Verein schon in der Anfangszeit damit begonnen, ein Museum aufzubauen. Es dokumentiert die Zeit der Migration und zeigt, wie die Menschen damals gelebt haben. Der „Complexo da Maré“ ist ein typisches Beispiel für die Favelabildung in Brasilien, die in den 50er/60er Jahren extreme Ausmaße annahm und in der abertausende Familien aus dem Hinterland in die wirtschaftlich stark wachsenden Regionen und Großstädte migrierten. Weil in den Städten selbst kaum mehr Platz war, mussten die Menschen sich am Stadtrand ansiedeln. In Rio de Janeiro gibt es sehr viele Seen und Buchten, deshalb standen die Baracken teilweise am und auf dem Wasser. So bildeten sich die Pfahl-Favelas (palafitas), die wir auch aus Salvador kennen.
Zahlreiche Gegenstände, Fotos und ganze Lebensgeschichten wurden zusammengetragen. Eine sehr beeindruckende Sammlung, die durch Informationstafeln und Videos ergänzt und erläutert wird. Und inmitten all dieser ausgestellten Dinge befindet sich der Nachbau einer Hütte aus dieser Zeit.

Unzählige Menschen zog es in die großen Städte wie bspw. Rio und siedelten sich am Stadtrand an.

Die Behausungen bestanden aus sog. palafitas, einfache Hütten, die auf Pfählen im Wasser standen.

Eine solche Hütte ist im Museum nachgebaut, um die Erinnerungen zu bewahren.

Das Museum beherbergt viele Gegenstände und Dokumente aus dieser Zeit der Migration
Marielle Franco
Aus dieser Favela stammt übrigens auch Marielle Franco, Soziologin und politische Aktivistin, die 2018 ermordet wurde (siehe auch Wikipedia). Sie war eng mit den Gründern des CEASM befreundet. Ihr ist ein eigener Raum gewidmet, für den die Familie dem Museum viele persönliche Gegenstände vermacht hat.



