Artikel Halterner Zeitung vom 03.09.26

Ein paar Kinder lachen in die Kamera, andere sitzen gespannt auf der Treppe und verfolgen die Feier. An einer hellblauen Wand wird eine Gedenktafel enthüllt, daneben weht die brasiliansiche Flagge: Hier wurde nicht nur renoviert. Hier beginnt für viele Kinder ein neues Kapitel.

   Mit vielen Eindrücken und bewegenden Begegnungen ist eine Delegation der Halterner Brasilien-Cooperative jetzt aus dem Bundesstaat Bahia zurückgekehrt. Höhepunkt der Projektreise war die Einweihung der Escola Popular in Novos Alagados, einer Favela in Salvador mit mehr als 20.000 Einwohnern. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten kann die Schule erstmals seit rund 15 Jahren wieder genutzt werden. Künftig erhalten dort 120 Kinder Unterricht und damit bessere Chancen auf eine selbstbestimmte Zukunft.

   Die Bilder der Einweihung sprechen für sich: Stolze Schülerinnen und Schüler in ihren Schuluniformen, emotionale Umarmungen. Musik- und Tanzvorführungen sowie eine feierliche Enthüllung der Gedenktafel. Mitglieder der Halterner Brasilien-Cooperative waren bei diesem besonderen Moment persönlich dabei.

   Seit mehr als 15 Jahren unterstützt der Verein die Menschen in Novos Alagados. Dabei geht es längst nicht mehr nur um einzelne Hilfsprojekte, sondern um nachhaltige Entwicklung. Gemeinsam mit der Partnerorganisation Emaús entstand eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Mit einem kleinen LKW sammeln Mitarbeitende gebrauchte Möbel, Elektroge räte, Kleidung oder Bücher in wohlhabenderen Stadtteilen ein. In eigenen Werkstätten werden die Gegenstände repariert und anschließend günstig an Menschen in der Favela verkauft. 

   „Viele Favela-Bewohner haben nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn, der zurzeit bei 270 Euro im Monat liegt. Mit diesem Einkommen kommt man kaum über die Runden“, berichtet der Vorsitzende der Brasilien-Cooperative, Bernd Kemper. Gleichzeitig würden durch die Wiederverwertung wertvolle Ressourcen geschont und Müll vermieden. 

   Die Einnahmen aus diesem Sozialunternehmen fließen direkt zurück in die Projekte. Neben der jetzt eröffneten Schule profitieren davon auch eine Kindertagesstätte und der Cluberê, so dass jährlich mehr als 500 Kinder und Jugendliche betreut werden. Für Rainer Bergemann, der ebenfalls an der Reise teilnahm, war der Besuch besonders eindrucksvoll. "Unsere Projektreisen bezahlen wir übrigens immer aus eigener Tasche", betont er. So komme jeder gespendete Euro unmittelbar den Projekten zugute. 

   Während ihres Aufenthalts besuchten die Halterner außerdem die Schulgärten in Simões Filho sowie das Kinderdorf von Pater Arnold - das erste Projekt der Cooperative in Brasilien. Wer mehr über die Arbeit erfahren oder die Projekte unterstützen möchte, kann die Brasilien-Cooperative beim Halterner Heimatfest besuchen. Dort ist der Verein wieder mit einem Stand auf dem Graf-von-Galen-Platz vertreten. Die Einnahmen sind eine wichtige Grundlage dafür, dass Geschichten wie die der Escola Popular auch künftig geschrieben werden können.  

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