Projektbesuch bei Schwester Aurieta / Turma do Flau in Recife am 8.01.25

Der Stadtteil Brasília Teimosa in Recife ist von extremer Armut geprägt, etwa 15.000 Menschen leben auf engstem Raum in dieser Favela. Dort lernte ich bei meinem ersten Besuch in Brasilien vor 42 Jahren Schwester Aurieta kennen. Sie war schon damals eine sehr engagierte und großartige Person. Und sie setzt sich bis heute mit einer unglaublichen Energie für die sozialen Belange in ihrem Stadtteil ein, vor allem aber für Kinder und Jugendliche. Unglaublich insofern, weil man ihr diese Stärke aufgrund der zarten Gestalt zunächst nicht ansieht und zutraut.

Unterstützt wurde sie bisher vor allem durch den Aktionskreis Pater Beda. Diese Zusammenarbeit begann mit dem Kauf einer Eismaschine und einer Kühltruhe im Jahre 1982. Einige Kinder verkauften am nahe gelegenen Strand Boa Viagem das in Brasilien sehr geschätzte Flau, ein Wassereis verschiedener Geschmackrichtungen, das aus einer kleinen Plastiktüte geschlürft wird. Aurieta und einige weitere engagierte Menschen gründeten den Verein „Turma do Flau“, um diesen jungen Eisverkäufern eine Basis zu verschaffen und sie zu organisieren. Die Turma do Flau, das sind mittlerweile jedes Jahr etwa 60 Mädchen und Jungen im Alter von 6 bis 16 Jahren. Alle haben einheitliche T-Shirts, die das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Bei der Herstellung des Eises wird auf eine gute Qualität und Hygiene geachtet. Schließlich sollen die kaufenden Touristen das Eis und damit auch die Kinder in guter Erinnerung behalten. 

Das Wassereis ist nur der Aufhänger, um die Kinder zu einer Gemeinschaft zusammen zu bringen. Aurieta und ihre beiden Kolleginnen Denise und Graça versorgen sie täglich mit einer warmen Mahlzeit, es gibt Unterricht am Computer, gemeinsame Spiele und Ausflüge und vieles anderes mehr. In der Turma do Flau zu sein, ist für diese Kinder wie ein Traum. Sie kommen alle aus sehr armen Familien, einige von ihnen lebten in der Anfangszeit noch auf der Straße. Das oberste Ziel ist es, den Kindern den Zugang zur Bildung zu ermöglichen und sie während der Schulzeit zu begleiten, dass sie nicht abbrechen.

Recife gehört zu den gefährlichsten Städten weltweit, die Kriminalität ist vor allem in den Armenvierteln sehr hoch. Kinder und Jugendliche werden von Milizen oder dem Drogenkommando angeheuert, viele geraten zwischen die Fronten der rivalisierenden Drogenbanden. Deshalb ist es auch keine Seltenheit, dass Minderjährige im Gefängnis landen. Die Polizei steht nicht immer auf der richtigen Seite des Gesetzes, manchmal verliert man den Überblick wer von beiden schlimmer ist. Zu den Aufgaben von Aurieta, Denise und Graça gehört es deshalb auch, Kinder im Gefängnis zu besuchen, sich um deren Eltern zu kümmern und mit Richtern und Anwälten zu verhandeln.  

Dank ihrer mittlerweile 50 Jahre andauernden Arbeit hat sich die Situation in diesem Stadtteil deutlich verbessert. Ich durfte Aurieta einen Abend bei ihren Rundgängen begleiten. Sie kennt jede einzelne Familie „ihrer“ Kinder, und wenn etwas nicht in Ordnung ist, besucht sie diese. Sie macht eine Sozial- oder Stadtteilarbeit, die keinen Menschen verloren gibt. In ihrem Viertel kommt man keine 50 Meter weit, ohne dass jemand ihren Namen ruft und ein Schwätzchen halten will. Es dürften einige Tausend Kinder sein, die in der Vergangenheit in der Turma do Flau mitgemacht haben. Aus diesen Kindern sind Erwachsene geworden, die Aurieta sehr sehr dankbar sind für das, was sie für sie und ihre Familien getan hat. Auch hier haben Kinder eine Chance im Leben bekommen und nutzen sie.

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