Projektbesuch August 2025

Am 22. August haben wir - Ludger Backmann-Stockhofe, sein Sohn Leo, dessen Freundin Johanna und Bernd Kemper - mit einigen brasilianischen Freunden die Sozialprojekte von Emaús Novos Alagados besucht. Unsere Brasilien-Cooperative ist dort seit 2011/2012 tätig; während dieser 14 Jahre haben wir fast alle Gebäude der Projektpartner renoviert, einen Gemeinschaftsgarten finanziert und während der Pandemie Tausende Hilfspakete an bedürftige Familien verteilt. Vor allem letzteres haben die Menschen nicht vergessen, denn hierdurch wurden viele Leben gerettet. Unsere Arbeit hat uns den Menschen in der Comunidade Novos Alagados sehr viel nähergebracht, einige sind uns zu guten Freunden geworden. Mit diesem Bericht möchten wir den Fortschritt der Projektarbeit beschreiben.

Kindertagesstätte

Der damals gegründete Verein, die „Associação Primeiro de Maio“ ist auch heute noch aktiv. Und aus der Zeit von vor etwa 50 Jahren stammen auch die drei sozialen Einrichtungen: der Cluberê, die Creche Antonio Lazzarotto und die Escola Popular. Bis heute werden hier jedes Jahr über 400 Kinder und Jugendliche unterrichtet und betreut. In der Kindertagesstätte Antonio Lazzarotto sind über 100 Kinder im Alter von 2-5 Jahren immatrikuliert, die von 16 Pädagoginnen betreut werden. Der Verein Campo Limpo unterstützt diese Kita seit den 80er Jahren. Vor allem hat der Puchheimer Verein den Pädagoginnen 2022/2023 ein Aufbaustudium ermöglicht, ohne das die Kindertagesstätte heute keine staatliche Anerkennung hätte. In 2024 bekam die Kita die Utilidade Pública (Gemeinnützigkeit). Seitdem ist es möglich, an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen, um Lebensmittelspenden zu bekommen (bspw. Mesa do Brasil, Prato Amigo).

Escola Popular

Nachdem wir in den letzten Jahren sowohl den Cluberê als auch die Kindertagesstätte vollständig renoviert haben, ist in diesem Jahr die dritte soziale Einrichtung, die Escola Popular, an der Reihe. Das Gebäude ist aus den 80er Jahren und entspricht nicht mehr den staatlichen Vorschriften. Deshalb kann zurzeit nur eine Klasse genutzt und unterrichtet werden. Bis zum Beginn des neuen Schuljahres 2026 soll die Schule komplett renoviert werden und danach wieder ihre ursprüngliche Auslastung für insgesamt 120 Schülerinnen und Schüler erreichen. Die Escola Popular soll eine offiziell anerkannte Schule werden. Aus diesem Grund musste schon in der Planungsphase die CONDER, die staatliche Entwicklungsbaugesellschaft Bahias, mit einbezogen werden. Diese ist verantwortlich für alle Gebäude, die im Bundesland Bahia als öffentliche Schulen genutzt werden. Sie erstellt die Grundrisse und Kostenvoranschläge, gibt die Ausführung der Bauarbeiten vor und ist auch verantwortlich für die Bauabnahme. Die Finanzierung von Gebäuden oder deren Renovierung fällt leider nicht in ihren Zuständigkeitsbereich, hierfür müssen andere Organisationen, Firmen oder Vereine angesprochen und gefunden werden.

Die Escola Popular war seit ihrer Gründung immer eine sogenannte Escola Comunitária, also eine Gemeinschaftsschule. Diese Schulen sind zwar staatlich anerkannt, bekommen aber keine öffentlichen Mittel für den Schulbetrieb; sie müssen ihre Finanzmittel über sogenannte convênios (Vereinbarungen) bei Firmen und anderen privaten oder staatlichen Organisationen einwerben. Im Falle der Escola Popular gab es eine Vereinbarung mit der Stadt Salvador, die die Schule über 20 Jahre lang wesentlich unterstützte. Seit dem Jahre 2010 - die Präfektur war in einen Finanzskandal verwickelt - fiel diese Förderung aus. Die Schule konnte nicht mehr angemessen fortgeführt werden; nicht zuetzt auch deshalb, weil aufgrund baulicher Mängel am Gebäude und fehlender rechtlicher Voraussetzungen keine öffentlichen Gelder mehr beantragt werden konnten. Am Schluss hatte die Escola Popular noch eine Klasse mit 30 Schülerinnen und Schülern.    

Jede Schule und jeder Kindergarten in Brasilien muss seit einigen Jahren seinen eigenen Verein haben. Für die Escola Popular gibt es diesen seit 2024: die „Associação Educativa Experimental de Novos Alagados“. Weitere rechtliche Bedingungen für einen Schulbetrieb sind die Genehmigungen durch die Stadt und den Conselho Municipal de Educação (städtischer Bildungsrat). Diese werden nur erteilt, wenn die entsprechende pädagogische Qualifikation bei den Erzieherinnen auch vorhanden ist (das sogenannte "ensino superior"). Anders als bei uns ist der Schul- bzw. Bildungssektor in Brasilien eine föderale Aufgabe, das macht es etwas übersichtlicher. Für einen Verein ist es dennoch eine immense Herausforderung, nichtsdestotrotz gibt es mehr als 140 Escolas Comunitárias in Bahia. 

Laut Kostenvoranschlag der CONDER wird die Renovierung der Escola Popular etwa 95.000 $ kosten. Darüber hinaus werden Kosten von etwa 25.000 Euro für Schulmöbel, die Einrichtung der Schulküche und andere Kleinigkeiten anfallen. Das klingt nach sehr viel Geld, aber gibt es eine bessere Investition als in die Bildung der Kinder? Wohl kaum. Durch die Escola Popular wird der Lebensweg vieler Kinder einen anderen Verlauf nehmen, sie bekommen eine echte Chance in ihrem Leben.  

Cluberê

Im Cluberê sind es über 250 Kinder und Jugendliche, aufgeteilt in eine Vormittags- und eine Nachmittagsgruppe. Sie können teilnehmen an Sport-, Tanz-, Theater-, Musik-, Capoeira- und Computerkursen. Außerdem gibt es Nachhilfeunterricht und eine Hausaufgabenbetreuung. In diesem Jahr neu hinzugekommen sind Schnitt- und Nähkurse sowie Gartenbauunterricht für Erwachsene. Es sind meistens die Mütter, die daran teilnehmen. Generell ist die gelegentliche Präsenz von Eltern sehr erwünscht, denn so können sie sich mit den Pädagoginnen über bestimmte Probleme austauschen. Viele der Kinder kommen aus schwierigen Verhältnissen, denn in brasilianischen Favelas sind die Familienstrukturen häufig zerstört. Kriminalität, Gewalt, Alkohol- und Drogenmissbrauch sind an der Tagesordnung. Sehr oft müssen die Großeltern einspringen und die Erziehung ihrer Enkel übernehmen. Im Cluberê wissen die Eltern oder Großeltern ihre Kinder gut aufgehoben, sie bekommen hier neben den vielen Kursangeboten einen festen Halt und eine professionelle Betreuung und Fürsorge. 

Dieses Video (deutsche Untertitel) ist während unseres Besuches entstanden und zeigt die Aktivitäten in allen drei Sozialprojekten.

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